zurück zur vorherigen Seite 11/12/2016

Service Art: Die Begegnung zwischen Hotel und Kunst

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Hotels versuchen, ihre Brand aufzubauen, indem sie Kunstwerke in der Lobby und den Schlafzimmern anbringen, aber dennoch ist es wenigen Hotels gelungen, eine wirklich authentische Synthese zwischen Kunst und Inneneinrichtung aufzubauen. In diesem Artikel spricht Iris Barak, Kuratorin der Dubi-Shiff-Kunstsammlung für die NYX-Hotels, über die Verbindung zwischen Kunst und Gastfreundlichkeit.

Eine der ersten Exhibitionen, mit der die Zusammenarbeit zwischen der Kuratorin Iris Barak und der Fattal-Hotelkette aufgebaut wurde, war eine Ausstellung von 300 ausgewählten Kunstwerken aus der Dubi-Shiff-Kunstsammlung im Leonardo Art Hotel in Tel Aviv. Die Dauerausstellung, die von Barak verwaltet wird, zeigt Kunstwerke aus dem Stil der figurativen Kunst und wird jedes Jahr um weitere Werke ergänzt, die von Barak erworben und beschaffen werden.

„Die Sammlung ist in den vergangenen Jahren sehr dynamisch geworden. Die Szene der figurativen Kunst wächst ständig und führt mich so zu neuen Künstlern, sowohl in Israel als auch im Ausland. Des Weiteren begleite ich aktive Künstler mit laufenden Atelierbesuchen.“ Durch die Bekanntschaft mit lokalen Künstlern und dem Wunsch, einen Begegnungspunkt zwischen Künstlern und Hotelgästen zu schaffen, wurde Barak inspiriert, über neue Arten von Ausstellungsflächen nachzudenken und die Möglichkeiten zu erkunden, die sich durch die Organisation von Kunstausstellungen außerhalb klassischer Ambiente, wie Museen oder Galerien, ergeben.

Im Allgemeinen tendieren Hotels dazu, Kunstwerke zu erwerben, die zwar ästhetisch aber so neutral wie möglich sind, um den breiten Geschmack ihrer Kundschaft anzusprechen. Daraus erklärt sich, warum es nur wenigen Hotels gelungen ist, eine authentische Verbindung zwischen Kunst und dem Hotel herzustellen. Für den Großteil der Hotels fungiert Kunst als Dekoration. Im Gegensatz dazu wird die Kunstsammlung eines Art Hotels durch das künstlerische Konzept des Hotels und die künstlerischen Absichten, die das Hotel ausdrücken möchte, bestimmt. Erst danach wird die Entscheidung getroffen, welche konkreten Kunstwerke ausgestellt und wo im Hotel sie angebracht werden sollen.

Die Ausstellung ist über das gesamte Hotel verteilt, sodass die Herausforderung für den Kurator darin liegt, die unterschiedlichen Kunstwerke mit den verschiedenen Räumen „in Einklang zu bringen“, aber dabei die Einzigartigkeit jedes Kunstwerks und die Bedeutung seines jeweiligen Kunststils zu bewahren. Die Eröffnung des NYX Hotels Tel Aviv im vergangenen März bot eine ideale Gelegenheit, das neue Hotel mit der Dubi-Shiff-Kunstsammlung zu verbinden. „Bei der Eröffnung des NYX Hotels Tel Aviv entschied ich mich, Kunstwerke aus der Shiff-Kunstsammlung auszustellen, die auf unterschiedliche Art den Grenzen, die uns umgeben, trotzen und die einen Bogen zwischen Ästhetik und Anomalie spannen“, erklärt uns Barak.
„Einige der Kunstwerke, wie zum Beispiel die Stühle von Vadim Stepanov Guerrero, die neben anderen Kunstwerken eine starke Reaktion der Kunstkritiker hervorriefen, haben mir gezeigt, wie mächtig Kunst eigentlich ist.“

Chairs of Vadim Stepanov Guerrero in the NYX Tel Aviv entrance
Fantastic creatures, genitalia and orthodox symbolsFantastic creatures, genitalia and orthodox symbols

Fantastic creatures, genitalia and orthodox symbols. Vadim Stepanov, mixed media on wood, 1995. Dubi Shiff Collection.

Woman acrylic painting

Igor Skltzki, acrylic on canvas, 2013. Dubi Shiff Collection

Wie sehen Sie die Rolle eines Kunstwerks?
„Kunst sollte das Interesse wecken. Die Thematik der Schönheit und Provokation ist ein weites Themengebiet in der Kunst und es gibt natürlich nicht die eine „richtige“ Antwort. Nichtsdestoweniger sehe ich die Essenz der Kunst in der Diskussion, die sie hervorruft, und der inneren Kraft, die in ihr steckt; in ihrer Fähigkeit, den Betrachter aus seiner Apathie zu reißen und ihn daran zu hindern, an dem Kunstwerk vorbeizugehen, ohne ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, die ihm gebührt.“

Painting of naked man
Neta Harari-Navon, oil on wood, 1997. Dubi Shiff Collectionl

Mixed media art piece by Dome

Dome, Mixed Media, 2013. Dubi Shiff Collection.

Ähnlich zu dem, was Sie im Leonard Art Hotel Tel Aviv getan haben, scheint auch ihre Rolle als Kuratorin bei den NYX-Hotels unter anderem darin zu bestehen, einen Begegnungspunkt zu schaffen, in dem Hotelgäste und Hotelbesucher auf einzigartige Kunst stoßen. Manche könnten die verschiedenen Ausstellungsstücke so bewerten, dass sie die Grenzen des figurativen Stils dehnen oder gar überspannen. Worin liegt der Wert einer solchen Art der Begegnung zwischen der touristischen Erfahrung, die das Hotel bietet, und den Kunstwerken?

„Auf der ganzen Welt findet sich eine starke Beziehung zwischen der Welt der Kunst und der Hotelindustrie. Viele Touristen möchten nicht nur die Strände und das Nachtleben erkunden, sondern sie möchten auch, dass ihnen das Hotel, in dem sie wohnen, einen Einblick in die lokale Szene ermöglicht.“

„Die Idee hinter der künstlerischen Seite der NYX-Hotels ist es, in jeder Stadt, in der sich unsere Hotels befinden, mit ortsansässigen Künstlern zusammenzuarbeiten, wobei eine Betonung auf „ortsspezifische“ Kunstwerke gelegt wird, die aus einem Dialog zwischen den Künstlern und mir sowie einer Partnerschaft mit örtlichen Kuratoren resultieren, um zu gewährleisten, dass wir solche Kunstwerke erwerben, die an dem jeweiligen Ort einen möglichst starken Bezug zur lokalen Szene haben.“

„Die NYX-Hotels sind in dieser Hinsicht einzigartig, denn jedes Hotel wird selbst zu einem vollwertigen Kunstwerk, da die meisten ausgestellten Kunstwerke direkt auf die Wände des Hotels gemalt werden, wobei insbesondere Straßenkünstler engagiert werden, die aktiv Graffitis, Wandbemalungen und Straßenaktionskunst schaffen. Auf diese Weise stärken wir den urbanen Aspekt, der untrennbar mit dem Konzept der NYX-Hotels verbunden ist. Wegen des Zusammenspiels von „innen und außen“ im Hotel, lege ich besonderen Wert auf die Architektur und den Raum in dem Gebäude selbst, wobei ich das Hotel häufig mit Künstlern zusammen begehe, damit wir gemeinsam herausfinden können, wie und wo sich deren Kunst mit den Räumen des Hotels verbinden lässt, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht von der rohen Kraft der Straßenkunst ablenkt.“
Photography of Iris Barak

Iris Barak. Phot: Yarden Rokach.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der Fattal-Hotels ist die „israelische Kunstwand“, ein wiederkehrendes Motiv in allen Fattal-Hotels weltweit, das die Kunst in Israel ansässiger Künstler zeigt. „Die Idee der israelischen Kunstwand ist es, einen Begegnungspunkt zwischen dem örtlichen Publikum in jedem Land und Israel zu schaffen, und zwar durch die Perspektive der Kunst, anstatt durch die Medien oder durch politische Themen“, erklärt uns Barak.

„Das Konzept der Kunst in Hotels verwandelt jedes NYX-Hotel überall auf der Welt in einen relevanten Bestandteil der örtlichen Kunstszene, wobei zugleich die Existenz eines alternativen Raums mit wechselnden Ausstellungen ermöglicht wird, der den Besuchern eine ganz andere Seite der Kunst zeigt. Für mich ist es ein großes Privileg, Hotelgäste – örtliche und ausländische – mit einigen der aufregendsten, zeitgenössischen Kunstwerke in Kontakt bringen zu dürfen, insbesondere Hotelgäste, die sich nicht selbst als kunstbegeistert beschreiben würden.“

Iris Barak ist Kuratorin der Dubi-Shiff-Kunstsammlung und Kuratorin der NYX-Hotels von Fattal. Sie wurde in Tel Aviv geboren, wo sie bis heute lebt, und sie hält einen B. A. mit Auszeichnung der Universität Tel Aviv in den Fächern Kunstwissenschaft, Humanwissenschaften und Museumskunde. Derzeit arbeitet sie an ihrem M. A. an der Universität Tel Aviv als Teil eines interdisziplinären Kunstprogramms.